Ja, er nimmt Abschied.
Erhobenen Hauptes. Denn er hat einiges geleistet für seine Zunft.
Er hat den PC aus den dunklen Katakomben der Nerds hinaus ins Sonnenlicht der Öffentlichkeit geführt. Mit ihm verhallten die Fachsimpeleien, er sorgte dafür, dass man sich kastrierte Wörter wie 2nd-Level-Cache oder Kabyte nicht mehr unbedingt zu merken brauchte, um seinen PC lieb zu haben.
Er ließ die Fachzeitschriften erwachsen werden. Erbrachen noch vor der Pentium-Ära vornehmlich Freaks aus der Unterwelt unkontrolliert Schulaufsätze, so wurden durch ihn tiefschürfende metaphysische Endlosdiskussionen zwischen Kürzeln wie RAM, HIMEM oder XMS durch Lesbares ersetzt. Durch Hardwaretests, durch Produktanalysen und einen gewissen, allgemein verständlichen Leserservice.

(Ein Pentium in jungen Jahren)
Obwohl es zu Anfang gar nicht danach aussah. Denn 1993, als der erste Pentium herauskam und den Prozessor mit Namen 80486 ersetzte, war er, obwohl er sich einen nichtnumerischen Namen anmaßte, das Thema in den Höhlen der niederen Maschinenebenen. Durch die Freak-Gemeinde ging ein Raunen, immerhin war der Pentium der erste PC-Prozessor, der eine 32bit-Architektur besaß. Schnell wurde er zum Kultobjekt, man musste ihn haben, um im erlauchten Kreis der PC-Freaks ernst genommen zu werden. Und so versammelte er nach und nach eine neue, Pentium-gepulste Schar aus Assembler-Hobbits um sich: Doch wie der Ring der Macht sollte er sie alle verraten.

(Ein sichtlich angesäuerter Prä-Pentium-Nerd)
Gerade war er zum Szenestar geworden, da erschien das neue Betriebssystem Windows-95. Hand in Hand begann der Aufstieg aus den dämonischen Untiefen der Lebensverweigerer in das Licht der Öffentlichkeit, hinaus in den Schoß der Benutzer, und dieser große Schritt stellte sich als zu groß für seine Fans heraus. Mit jeder weiteren Stufe der Benutzerfreundlichkeit entfernte ihr Pentium sich von ihnen, die noch seinen Vorgänger ganz für sich hatten, und die nun schmerzlich erfahren mussten, dass er keiner von ihnen ist, dass er seine Seele an Bill Gates und das Establishment verkauft hat.
Er fiel ihn Ungnade.
Und sie werden ihm auch jetzt am Sterbebett wohl nicht verzeihen.

(Vor Windows 95 sah das so aus)
Aber er wird seinen letzten Schritt nicht ganz allein gehen müssen.
Wir immerhin sind mit ihm. In der Überzeugung, dass er bald heilig gesprochen wird. Für die Befreiung des PC aus seiner einst dunklen Gefangenschaft, für das Loslösen der Fachwortfesseln. Und nicht zuletzt dafür, dass PCs sich allgemein etabliert haben und dadurch erschwinglicher geworden sind.
Grüße sendet … nerdy jesse