Fascho-Fasching
Alle Jahre wieder beginnt der Glatzen-Karneval am 9.11., Faschojecken kriechen von überall her unter ihren Steinen hervor und versammeln sich zu einer Sitzung, die sie ‚Reichskristallnacht’ nennen, obwohl das Ganze ein bisschen gemütlicher als früher ausfällt.
Vor allem der traditionelle kleine Festumzug, bei dem einst ja durchaus mal die eine oder andere Synagoge abgefackelt ist, fällt seit Jahrzehnten flach. Verständlich, denn dank des deutschen Wohlstands sind die Stühle heutzutage ein bisschen zu bequem und die Mägen ein wenig zu voll, auch mangelt es an SA-tauglichen Party- und Foltergewölben. Hinzu kommt: Der aktive Pogromteil der Feier wäre trotz der allgemeinen politischen Rechtsblindheit doch ein etwas zu hohes Wagnis. Der jahrelange Verzicht trägt jedenfalls sicher dazu bei, dass sich die NPD jetzt vor Gericht in das Fontane-Haus in Berlin klagen konnte.

(Solche Umzüge werden zum Fascho-Auftakt vermieden)
Irgendwann demnächst müssen wieder Wahlen sein, denn wegen dieser kleinen Prunksitzung der Skin-Jecken tauchen plötzlich einzelne Sonntagsredner auf, die ein erneutes Verbot des NPD-Karnevalsvereins fordern. Es ist ja immerhin einige Jahre her, seit sich die Demokratie beim ersten hastigen Verbotsantrag vor aller Augen verfassungskonform selbst erdrosselt hat. Warum es nicht noch einmal versuchen?
Man darf gespannt sein, ob diese Schnapsidee zum zweiten Mal genügend Gehör findet. Eine solche historische Chance, sich abermals vor dem eigenen Rechtsstaat zu blamieren, sollte man eigentlich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Vor allem dann, wenn es später wieder heißt – hach, wir haben’s ja gut gemeint.

(Drei Büttenredner)
Es stimmt schon – falls sich das NPD-Verbot tatsächlich durchsetzen lässt, werden die Karnevalisten ihre Show nicht mehr in aller Öffentlichkeit abziehen können. Man wäre die Nazifäkalien auf öffentlichen Plätzen los, und Büttenreden, die zwar nicht ganz an die peppige Cholerik des Ehrenmitglieds herankommen, aber immer noch geschmacklos genug sind, würden der Vergangenheit angehören. Ob aber eine Nazi-CD weniger auf oder abseits von Schulhöfen verteilt wird, wenn man Faschos aus dem öffentlichen Bewusstsein retuschiert?
Ob sich ein Problem dadurch aus der Welt schaffen lässt, dass man es verbietet?
Grüße sendet … jesse






